"Melkam Genna" in Äthiopien
Weihnachten heißt in Äthiopien "Genna" oder "Lidet" und wird am 7. Januar gefeiert. "Lidet" heißt übersetzt "Geburtstag" und "Genna" leitet sich sehr wahrscheinlich von "Gennana"ab, was so viel wie ganz besonders", "berühmt" oder "hervorragend" bedeutet. Es drückt die Freude, Liebe und den Respekt aus, den die Menschen für das Christkind empfinden.
Die Körper und Geist reinigende, 43 Tage währende Fastenzeit spielt eine zentrale Rolle in der spirituellen Vorbereitung auf das Fest der Geburt Christi. Weihnachten beginnt am Abend des 6. Januar mit einem Gottesdienst. Tausende versammeln sich in und vor den überfüllten Kirchen. Wegen des großen Andrangs wird der Gottesdienst über Lautsprecher nach draußen übertragen und ist auf den Kirchengrundstücken und umliegenden Straßen gut zu verfolgen.
Die meisten Besucher tragen beim Betreten der Kirche eine Kerze mit sich. Nach alten Regeln stehen Frauen und Männer in getrennten Bereichen der Kirche. Die Priester und "Debtera", "Laienpriester" oder "Priesterschüler", stimmen uralte Weihnachtslieder an, die von der Gemeinde mitgesungen werden. In Kirchen, die einen Jesus Tabot besitzen, holen die Priester ihn aus dem Allerheiligsten und tragen den verhüllten Tabot auf dem Kopf dreimal um die Kirche. Ihnen folgt eine Prozession von Weihnachtsgängern, von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen mit brennenden Kerzen in den Händen. Die gesamte Zeremonie dauert bis zum frühen Morgen.
Nach der Weihnachtsmesse endet die Fastenzeit. Die Straßen sind gefüllt von Menschen in traditionellen weißen äthiopischen Kleidern. Das Festessen im Kreis der Großfamilie besteht aus "Injera", einem Sauerteig-Fladenbrot und unterschiedlichen Soßen. Auf dem traditionellen äthiopischen Tisch, dem geflochtenen "Mesob", liegt ein großes Tablett. Darauf werden die Fladen und Soßen serviert. Alle sitzen im Kreis um den Tisch und essen mit den Händen. Oft wird für das Festessen ein Schaf geschlachtet.
(aus: Santa, Sinter, Joulupukki - Weihnachten hier und anderswo von Pit Budde und Josephine Kronfli, Ökotopia Verlag)




